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Wohnungsleichen

Postmortale Zeitachse bei Wohnungsleichen – Veränderungen nach dem Tod

Was passiert nach einem Todesfall in einer Wohnung?

Wenn ein Mensch verstirbt, setzen im Körper unmittelbar verschiedene natürliche Prozesse ein. Diese Veränderungen laufen in einer bestimmten Reihenfolge ab und können Hinweise darauf geben, wie lange der Todesfall bereits zurückliegt. Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Abläufe verständlich und strukturiert dargestellt – so, wie sie in geschlossenen Räumen typischerweise auftreten. Wir erklären, was im Körper nach dem Tod geschieht und welche Insekten (Nekrophagen) zu welchem Zeitpunkt erscheinen können.


Eintritt des Todes

Körper:

  • Autolyse beginnt sofort nach Todeseintritt (= Selbstverdauung, d.h. Enzyme lösen Zellen auf; rein enzymatischer Prozess, kein bakterieller)
  • Leichenflecken bilden sich bereits nach etwa 20 bis 30 Minuten (Blut sackt durch Schwerkraft in die tiefsten Körperregionen)

Nekrophagen:

  • Zu diesem Zeitpunkt noch keine Insekten am Leichnam vorhanden

Hinweis:

  • Es gibt Stimmen in der Wissenschaft, wie Marcus Schwarz (ein bekannter forensischer Entomologe), die vermuten, dass die ersten Insekten bereits im Sterbeprozess auftreten, z. B. bestimmte Schmeißfliegen. Dies ist wissenschaftlich jedoch nicht eindeutig belegt. Es existieren Hinweise, aber keine gesicherten oder reproduzierbaren Studien, die zeigen, dass Schmeißfliegen regelmäßig schon während des Sterbeprozesses auf einen Menschen gehen.

ca. 2 bis 4 Stunden nach dem Tod

Körper:

  • Erste sichere Todeszeichen erkennbar
  • Leichenstarre beginnt (voll ausgeprägt nach ca. 6 bis 12 Stunden)
  • Leichenflecken zeichnen sich nun deutlich ab (voll ausgeprägt nach ca. 6 bis 12 Stunden)

Nekrophagen:

  • Erste Nekrophagen besiedeln den Leichnam und legen ihre Eier ab – meist in Körperöffnungen, wie Nase, Mund, Augen und Ohren (meist Schmeißfliegen, die vorher schon in der Wohnung waren oder durch offene Fenster leichten Zugang erhalten)

Hinweis:

  • Eventuell bereits in der Wohnung vorhandene Stubenfliegen ignorieren den Leichnam noch vollständig.

ca. 24 bis 48 Stunden nach dem Tod

Körper:

  • Autolyse verstärkt sich massiv (Kettenreaktionseffekt)
  • Die ersten Fäulnisgase entstehen (durch die Aktivität der Darmbakterien beginnt nun die bakterielle Fäulnis – Barrieren brechen auf, z.B. Schleimhäute)

Nekrophagen:

  • Schlupf der ersten Larven, auch "Maden" genannt (1. Larvenstadium ca. 1 Tag bis zur ersten Häutung, 2. Larvenstadium ca. 1 Tag bis zur zweiten Häutung, 3. Larvenstadium ca. 2-4 Tage bis zur Verpuppung, Verpuppungsphase ca. 4-10 Tage bis zur adulten Fliege)
  • Fleischfliegen siedeln sich an

Hinweis:

  • Fleischfliegen legen keine klassischen Eier ab, sondern entweder sehr reife Eier, aus denen sofort nach dem Ablegen die Larven schlüpfen, oder – was häufiger vorkommt – sogar direkt lebende Larven.

ca. 3 bis 10 Tage nach dem Tod

Körper:

  • Die Verflüssigungsphase beginnt
  • Gewebe reißt auf
  • Gase und Leichensäfte treten aus
  • Weichgewebe löst sich auf

Nekrophagen:

  • Die sekundären Arten siedeln sich an, wie Stubenfliegen und Buckelfliegen
  • Hochphase des Madenaufkommens

Hinweis:

  • Buckelfliegen legen ihre Eier zum Teil weit vom Leichnam entfernt ab, z.B. in Ritzen und Spalten, wie hinter Fußleisten oder in Steckdosen. Im ersten Larvenstadium ernähren sie sich an ihrer Brutstätte meist von Staub, Haaren und Mikroresten. Nach der ersten Häutung kriechen einige schon zum Leichnam, andere warten bis zum dritten Larvenstadium.

ca. 2 bis 6 Wochen nach dem Tod (dies entspricht häufig dem Zeitraum, in dem Wohnungsleichen entdeckt werden)

Körper:

  • Phase der fortgeschrittenen Fäulnis
  • Weichgewebe größtenteils aufgelöst
  • Körper flacht ein
  • Haut löst sich ab
  • starke Flüssigkeitsfreisetzung endet allmählich
  • Knochen zeigen sich teilweise

Nekrophagen:

  • Die ersten Käfer siedeln sich an, insbesondere Speckkäfer – seltener Aaskäfer (unter den Speckkäferarten ist der "Gemeine Speckkäfer" am häufigsten zu finden)

Hinweis:

  • Speckkäferlarven sind äußerst gefräßige Materialschädlinge. Sie ernähren sich nicht nur vom Leichnam selbst, sondern auch von einer Vielzahl organischer Substanzen wie Teppichen, Textilien, Leder und Polstermaterialien. In stark betroffenen Wohnungen greifen die Larven sogar die Trittschalldämmung unter Laminatböden an und verursachen dort erhebliche Schäden.

ab ca. 6 Wochen nach dem Tod

Körper:

  • Phase der späten Fäulnis / Austrocknungsphase
  • Körper trocknet zunehmend aus
  • intensive Zersetzungsprozesse der früheren Phasen lassen nach
  • keine nennenswerte "neue" Geruchsentwicklung mehr
  • Verwesungsgeruch wandelt sich zu einem trockenen, modrig-staubigen Geruch

Nekrophagen:

  • Fliegen verschwinden und damit auch die Maden
  • Dominanzphase der Speckkäfer beginnt

Hinweis:

  • Speckkäfer und deren Larven können in Leichenwohnungen sehr lange überdauern. Das Nahrungsangebot ist dort meist äußerst reichhaltig, sodass die Population oft erst nach vielen Monaten oder sogar erst nach Jahren zusammenbricht – selbst dann, wenn der Leichnam bereits geborgen wurde.

 

 

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